„Juan Ramón Alcalde - Solidaritätspreis“

Der Sachausschuss Mission-Entwicklung-Frieden des Pfarrgemeinderates St. Marien stiftet ab dem Jahr 2003 bis auf Widerruf jährlich einen Preis in Höhe von 1000,- €. Die kath. Kirche in Oberhausen vergibt gleichzeitig einen Anerkennungspreis in Höhe von 250,- €.

Die Preise sollen verliehen werden an Persönlichkeiten oder Gruppen, die sich durch
- einzelne Projekte und Aktionen oder
- durch eine kontinuierliche Arbeit
in besonderer Weise für die Verbreitung des Eine-Welt-Gedankens in Oberhausen engagiert haben.

Die Ausschreibung des Preises, die Festlegung von Bewerbungs- und Auswahlkriterien, die Bildung einer Jury, die Ermittlung des Preisträgers und die Preisverleihung überträgt der Sachausschuss der kath. Stadtkirche in Oberhausen. Diese kann in ihrem Namen und in eigener Zuständigkeit alle Details festlegen.

Nähere Informationen zur Ausschreibung des "Juan Ramón Alcalde - Solidaritätspreises" für das Jahr 2004 finden Sie hier.

Der „Juan Ramón Alcalde – Solidaritätspreis“ erinnnert an den baskischen Claretinermissionar Juan Ramón Alcalde de Belasko. Geboren am 25.11.1952 in Bilbao trat er 1968 als Novize in den Orden der Claretiner im spanischen Baskenland ein. 1977 wurde er zum Priester geweiht und 1978 ging er nach Bolivien in die Misión Norte Potosí.
Dieses Gebiet ist der nördlichste Teil des Departamentos Potosí in Bolivien und liegt in Höhenlagen von 2500 - 5000 m. In dieser bisher vom Staat sehr vernachlässigten Region wohnen hauptsächlich Aymara- und Quechua-Indios, deren Hauptlebensgrundlagen Ackerbau und Viehzucht sind. Das Gebiet umfasst derzeit ca. 6300 qkm. Hier leben ungefähr 80.000 Menschen. In einem Team arbeiten spanische Claretinerpadres zusammen mit spanischen und einheimischen Kräften. Sie leben mit den Campesinos, kümmern sich um den Bau von Schulen, Hogares Campesinos und Krankenhäusern, um die Verbesserung der Wasserversorgung und der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden, tragen zu einem Bewusstwerdungsprozess für die Interessen der Landbevölkerung bei und sind nicht zuletzt als christliche Missionare tätig. Für sie alle ist dies pastorale Arbeit im weiteren Sinne unter Berücksichtigung der traditionellen Kultur der Campesinos.
Juan Ramón Alcalde arbeitete in Norte Potosí zunächst in Sakaka, einer Kleinstadt mit ca. 1000 Einwohnern. Schon bald wurden ihm auf Grund seiner Fähigkeiten die Verantwortung für alle Baumaßnahmen in der gesamten Region und deren finanzielle Abwicklung übertragen. Obwohl er mit diesen Aufgaben mehr als ausgelastet war, entschied er sich 1983 dorthin zu gehen, wo bisher nur gelegentlich ein Priester hinging. Er verließ das Pfarrhaus in Sakaka und zog in das einsam gelegene Indiodorf Janq’o-Janq’o, das in einer Höhe von 4200 m liegt, abgelegen von allen zentralen Verkehrswegen. Dort, wo ständig ein kalter Wind weht, wo der Boden steinig wie sonst nirgendwo in der Region ist, wollte er direkt unter den Aymara-Indios leben. Wie sie bewohnte er ein kleines Haus aus Lehmziegeln, lernte ihre Sprache, ging wie sie zu Fuß in Sandalen aus alten Autoreifen, feierte mit ihnen Gottesdienst und war oft einfach nur da. Nach und nach fassten die Menschen Vertrauen zu ihm, Männer und Frauen kamen, um bei ihm lesen und schreiben zu lernen. Er kümmerte sich um eine Schule und Lehrer für die Kinder, organisierte Kurse zur Verbesserung der hygienischen Bedingungen und schaffte, dass sogar gelegentlich ein Arzt zu diesen Menschen kam. Im Laufe der Jahre wurde mit Hilfe aus dem Ausland auch die Wasserversorgung in dieser Region gesichert, so dass die Menschen auch in der Trockenzeit ihr Dorf nicht mehr aus Wassermangel verlassen mussten. Die Menschen dort spürten, dass einer gekommen war, dem sie wichtig waren. Sie entwickelten ein Selbstwertgefühl und lernten, für ihre Interessen einzutreten. Sie erfuhren praktizierte christliche Nächstenliebe, ohne ihre traditionelle Kultur aufgeben zu müssen. Juan Ramón Alcaldes Entscheidung, unter den Indios in Janq’o-Janq’o zu leben, entsprach seiner religiösen Überzeugung die Nachfolge Jesu konsequent zu leben. All die Jahre über blieb er aber auch verantwortlich für die Baumaßnahmen in der gesamten Region von Norte Potosí. 15 Jahre arbeitete Juan Ramón Alcalde in der Misión Norte Potosí, 10 Jahre davon lebte er in Janq’o-Janq’o. Er starb am 25.10.1993 im Alter von 40 Jahren in Bolivien an einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Sein Name wird für immer mit Janq’o-Janq’o verbunden sein.
Mehrmals in seinem Leben hat Juan Ramón Alcalde auch Oberhausen besucht. Er war bis zu seinem Tod für die Kontakte zwischen Norte Potosí und dem Sachausschuss Mission-Entwicklung-Frieden in St. Marien in Oberhausen verantwortlich. Er hat in der Partnerschaft zwischen Norte Potosí und St. Marien deutliche Spuren hinterlassen.

 

 

Juan Ramón Alcalde (zweiter von links)

 

 

 

 

 


Der „Juan Ramón Alcalde – Solidaritätspreis“ wurde erstmalig anlässlich des 10. Todestages von Juan Ramón Alcalde am 25.10.2003 gestiftet.

Der Solidaritätspreis 2003 wurde am 5.12.03 im Kath. Stadthaus vom Katholikenausschuss in der Stadt Oberhausen verliehen. Die Preisträger sind die KFD St. Katharina und die Internationale Frauengruppe des evang. Kirchenkreises Oberhausen. Beide Gruppen erhielten jeweils einen Scheck über 500,- €. Die KFD St. Katharina hat sich in Zusammenarbeit mit TABU e.V. gegen weibliche Genitalverstümmelung eingesetzt. In der Internationalen Frauengruppe des evang. Kirchenkreises Oberhausen treffen sich seit über zehn Jahren Oberhausener Frauen mit Migrantinnen, vor allem Flüchtlingsfrauen.

KFD St. KatharinaInternationale Frauengruppe des evang. Kirchenkreises Oberhausen

Martin Fey spricht für den MEF-Kreis, der den Preis gestiftet hatDie Preisverleihung

aus: WAZ vom 6.12.03