zurück

Bolivien-Tagebuch von Ele und Martin Fey 2006

Teil 1 vom 18.-19.7.06

18.7.06 – Buenos Aires / Argentinien

8.23 Uhr: Der Flieger von Iberia landete planmäßig von Madrid kommend in Buenos Aires. Gestern Abend war es zunächst sehr schön: Kirsten, Markus, Florian und Lana hatten uns zum Flughafen nach Düsseldorf gebracht und dort verabschiedet. Später wurde es etwas hektischer, da der Abflug von Düsseldorf sich um eine Stunde nach hinten verschob. Entprechend spät kamen wir in Madrid an. Uns blieb zwar noch eine Stunde zum Einchecken in den neuen Flieger, aber wir mussten einen Weg von 25 Minuten bis zum Abfluggate zurücklegen. Doch es passte so gerade... Hier in Buenos Aires haben wir jetzt noch sechseinhalb Stunden Wartezeit, dann geht’s weiter – zunächst nach Santa Cruz, immerhin schon in Bolivien, dort müssen wir erneut umsteigen um nach Cochabamba zu gelangen. Wenn alles klappt, kommen wir um 20.15 Uhr dort an.

Hier in Argentinien ist jetzt Winter. Die Außentemperatur liegt heute Morgen bei 15°C, der Himmel ist wolkenverhangen. Mal sehen wie es in Bolivien ist, das liegt ja ein ganzes Stück näher am Äquator.


19.7.06 – Cochabamba / Bolivien

16.00 Uhr: Zunächst einmal: Wir sind gut angekommen. Allerdings war der gestrige Tag letzlich doch sehr anstrengend. Der Aufenthalt auf dem Flughafen von Buenos Aires verschob sich im Laufe des Tages um weitere zwei Stunden, so dass wir erst gegen 17.00 Uhr dort abflogen. Nach weiteren zwei Zwischenlandungen erreichten wir dann erst kurz vor 23.00 Uhr Ortszeit Cochabamba in Bolivien. Unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung von sechs Stunden waren wir seit dem Abflug in Düsseldorf 36 Stunden unterwegs – und heilfroh, endlich angekommen zu sein. Als wir dann auch noch unser Gepäck fanden – was bei vier Flügen und drei Umsteigestationen keine Selbstverständlichkeit ist – mussten wir nur noch die Einreiseformalitäten erledigen. Der zuständige Beamte wollte uns zunächst nur ein Visum für 30 Tage ausstellen, doch nach beharrlichem Einspruch und Verweis auf die bolivianische Botschaft in Deutschland erhielten wir dann Gott sei Dank ein Visum für 90 Tage. Die Alternative wären Behördengänge hier in Cochabamba gewesen, was sehr zeitaufwändig ist und auch nicht immer erfolgreich. Hier läuft manches halt ganz anders als in Deutschland üblich.

Am Flughafen empfing uns Padre Luis Mary, der bereits zweieinhalb Stunden gewartet hatte. Er erzählte uns, dass es immer wieder vorkomme, dass vor allem die bolivianischen Fluggesellschaften – und mit der LAB waren wir von Buenos Aires aus geflogen – mit Verspätungen fliegen, ohne dass es hierfür nachvollziehbare Gründe gibt. Im neuen Haus der Claretiner in Cochabamba erwartete uns dann Padre Esteban, den wir schon seit über 20 Jahren kennen, mit dem Abendessen. Müde, aber glücklich, endlich angekommen zu sein, gingen wir nach Mitternacht ins Bett.

Heute ließen wir es ruhig angehen. Angesagt sind Akklimatisierung an Höhe, Wetter und Zeitumstellung. Wir befinden uns hier in Cochabamba auf etwas mehr als 2500 m Höhe.

Doch die etwas dünnere Luft macht sich hier noch kaum bemerkbar. Das Wetter ist dafür, dass es hier Winter ist, erstaunlich gut: Tagsüber scheint die Sonne bei über 25°C, nachts kühlt es sich auf ca. 5-7°C ab. Mit der Zeitumstellung kommen wir wie bei früheren Aufenthalten ganz gut klar – es ist halt einfacher, von Osten nach Westen zu fliegen als umgekehrt. Padre Jesús Mary, der uns eigentlich hier erwarten wollte, hatte uns kurz vor unserem Abflug mitgeteilt, dass er nicht kommen kann, da er an einem landesweiten Lehrertreffen teilnehmen muss, das eigentlich in der Vorwoche stattfinden sollte. Wir haben verabredet, dass wir einige Tage hier in Cochabamba verbringen und uns dann in Oruro treffen, um von dort gemeinsam nach Norte Potosí zu fahren. So können wir uns hier ruhig einleben.

Heute Morgen trafen wir Padre Paco, der schon früh aus Toro-Toro gekommen war, um hier einiges zu erledigen. Auch ihn begrüßten wir als alten Bekannten. Irgendwie ist es ein wenig wie nach Hause kommen, es ist gar nicht alles fremd. So ging es uns auch mit dem Haus selbst: Die „Residencia Corazon de Maria“ wurde 2004 in Cochabamba gegründet, damit junge Menschen aus der Region Norte Potosí hier studieren können.

Als wir gestern Nacht hier vorfuhren, erkannten wir das Haus sofort wieder: Sowohl Ele als auch ich hatten bei unseren Besuchen 1993 und 1997 bereits hier übernachtet. Damals gehörte das Haus noch der bolivianischen Kongregation der Claretiner. Von diesen haben die baskischen Claretiner es 2004 übernommen. Von den Studierenden sind zur Zeit nur zwei hier, da Semesterferien sind. Die beiden Anwesenden, Ramiro und Damian, studieren an der landwirtschaftlichen Hochschule Agrarwirtschaft und haben gerade erfolgreich ihre erste Zwischenprüfung abgelegt. Ramiro stammt aus Toracarí nahe San Pedro, Damian aus Chaluiri bei Karipuyo. Während eines kleinen Stadtrundganges mit den beiden jungen Männern luden wir sie zu einem Eis ein. Dabei stellte sich heraus, dass dies der erste Eisbecher ihres Lebens war. Eis ist kein Grundnahrungsmittel und deshalb für bolivianische Verhältnisse teuer (vier Eisbecher kosteten 72,- Bolivianos, das entspricht ca. 7,20 €).