Bolivien-Tagebuch von Ele und Martin Fey 2006
Teil 3 vom 26.- 29.7.06
Karipuyo 26.7.06
Der Termin von Jesús Mary beim Minister fand nicht statt, da der Minister unterwegs war. Die Fahrt nach La Paz war also umsonst. Aber so kann es hier gehen... Wir fuhren dann nachmittags zurück nach Oruro (3 Stunden), wo wir noch einmal im Hotel übernachteten.
Am Dienstag machten wir uns dann auf den Weg nach Karipuyo (zweieinhalb Stunden). Der Weg ist bis Huanuni asphaltiert, dann folgt ein immer noch gut ausgebautes Stück Schotterpiste, das sich auf bis 4400 m in Serpentinen hochschraubt, aber immerhin noch gut Platz für Gegenverkehr lässt (Durchschnittsgeschwindigkeit von Jesús Mary: 60 km/h). Dann folgt das letzte Stück nach Karipuyo, das nur noch eine einspurige schlecht ausgebaute Piste ist (Höchstgeschwindigkeit max. 30 km/h). Kurz vor Karipuyo stoßen wir auf eine neue Brücke über den Rio de Caripuyo, der es nun ganzjährig zulässt, Karipuyo mit dem Auto zu erreichen. Unterwegs begegnen uns auf dem letzten Stück nur zwei Fahrzeuge: Ein Autobus und ein LKW, beide für den Personenverkehr, verbinden Karipuyo zweimal pro Woche mit Oruro.
In Karipuyo empfängt uns Sandra, die Leiterin des Hogares Campesinos, sehr freundlich. Wir bekommen ein Zimmer im Haus, das sie mit ihrem Mann Wilfran bewohnt und in dem die Mitarbeiter hier in Karipuyo gemeinsam essen. Das Haus hat drei Zimmer, in einem wohnen Sandra und Wilfran, in einem wir beide, eines dient als Vorratsraum. Darüber hinaus gibt es einen Aufenthaltsraum im Eingangsbereich, ein Bad und eine Küche, die auch als Essraum genutzt wird. Zu den Mitarbeitern hier zählen außer Jesús Mary, Sandra und Wilfran noch Marco Antonio, der als Leiter verantwortlich ist für das CETHA (Centro Educación Técnico Humanístico Agropecuaria), ein Zentrum für alternative Erwachsenenbildung, und Cesar, der im Internat (Hogar Campesino) mitarbeitet.

Das Haus, in dem wir wohnen (rechts vom Eingang ist unser Zimmer)
Am Abend werden wir den Kindern und Jugendlichen im Internat vorgestellt. Insgesamt sind hier zur Zeit 96 junge Campesinos, je zur Hälfte Jungen und Mädchen untergebracht. Uns werden die ersten Fragen gestellt und wir kommen schnell miteinander ins Gespräch. Schnell lernen die Kids die ersten Begriffe in Deutsch und wir verabschieden uns dann schon mit Gute Nacht! Aber auch wir lernen: Aski arumakipan! (Aymara). Überraschend ist die Disziplin, die hier herrscht. 96 Kids verlassen den Aufenthaltsraum und machen sich zur Nachtruhe fertig, doch auf dem Hof hört man kurze Zeit später nur noch ganz wenige Stimmen.

27.7.06 Karipuyo
Heute Morgen sind wir um 7.45 Uhr mit Jesús Mary, Sandra und Cesar nach Llallagua gefahren. Die drei mussten dort ihr Gehalt vom letzten Monat abholen dazu muss jeder Lehrer persönlich dorthin, was für die drei eine Fahrtzeit von 1,5 Stunden hin (60 km) und die gleiche Zeit und Entfernung zurück bedeutet. Aber die drei haben ja einen Jeep zur Verfügung. Alle anderen Lehrer müssen die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen und die standen heute in Karipuyo auf der Plaza: Ein Autobus und ein LKW. Doch hiermit dauert die Fahrt viel länger, so dass letztlich das monatliche Geld holen mit mindestens zwei Tagen Unterrichtsausfall verbunden ist, denn am Wochenende ist auch hier in der Regel alles geschlossen.
Ganz gut läuft der Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen
an. Gestern Nachmittag haben wir an einer Katechesestunde teilgenommen, die
Sandra zur Vorbereitung auf die Firmung mit Jugendlichen wöchentlich
durchführt. Wir stellten uns mit einem Spiel vor, bei dem kaum Sprache
notwendig ist, da alle im Kreis sitzend ihre Arme untereinander verschränken
und dann auf Klopfzeichen reagieren. Wir spielten ca. 25 Minuten und alle
hatten viel Spaß miteinander. Es ging dann in der Kirche weiter, wofür
Sandra Lieder und Gebete vorbereitet hatte. Zum Abschluss schrieb jeder einen
kleinen Brief mit individuellen Wünschen an Gott, der aber nicht veröffentlicht,
sondern verbrannt wurde. Erstaunlich für uns war, wie ruhig und konzentriert
die 15-17-jährigen Jugendlichen die ganze Stunde über waren. Sandra
meinte im anschließenden Gespräch mit uns, das hätte an unserer
Anwesenheit gelegen, dass alle etwas zurückhaltend waren. Jesús
Mary wiederum vertrat die Ansicht, dies sei hier halt doch noch anders als
in Europa.

Karipuyo 29.7.06
Gestern war ein ruhiger Tag. Wir haben einen ausgedehnten Spaziergang rund um Karipuyo gemacht. Der Ort ist sehr überschaubar und die Armut ist mit Händen zu greifen. Die Lebensbedingungen der Menschen hier sind äußerst einfach: Hinter den Adobe-Mauern (Adobe werden hier die Lehmziegel genannt) verbirgt sich in der Regel ein Hof, der oft von mehreren kleinen Häusern eingerahmt wird. Hier leben in der Regel ganze Familienverbünde. Fast alle leben hier von der Landwirtschaft und ein wenig Viehzucht. Es reicht so gerade zum Überleben. Die hygienischen Bedingungen lassen zu wünschen übrig: Es gibt zwar in der Regel eine Wasserstelle in jedem Innenhof, aber in der Regel keine Toiletten. Die umliegenden Felder werden als Toiletten benutzt. Weite Teile des Flusstales sind mit tierischen Fäkalien verunreinigt, was die Dorfbewohner wiederum nicht davon abhält, ihre Wäsche im Fluss zu waschen. Doch es gibt Verbesserungen: So wurden am Ortsrand Schweineställe gebaut. Zwar laufen dort die Schweine immer noch frei herum, doch zumindest sind die Wege in Karipuyo nicht mehr verunreinigt. Auch hängen überall Schilder, die die Nutzung der öffentlichen Wege als Toiletten unter Strafe stellen.

Karipuyo ca. 400 Einwohner 3320 m

Hauptstraße in Karipuyo