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Bolivien-Tagebuch von Ele und Martin Fey 2006

Unterwegs im Rio - 20.8.06

Der Motor heult auf.
Jesús Mary zieht den ersten Gang bis zur Schmerzgrenze hoch.
Der Wagen rutscht und schliddert durch den feuchten Sand des Flusses.
Jetzt kommt der Fluss.
Das Wasser spritzt hoch bis an die Scheiben.
Die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren.
Nur nicht im Fluss stecken bleiben...

Auf der anderen Seite wird der Boden trockener.
Die Räder greifen wieder normal.
Doch wo ist der Weg?
Normalerweise fährt in diesem Teil des Flusses nur selten ein Auto.
Höchstens mal die Ambulancia.
Doch wir wollen nach Vilapampa und das liegt noch einige Kilometer weiter flussaufwärts.

Wir haben den Weg verloren und halten an.
Wir steigen aus und suchen nach Spuren von Autoreifen.
Irgendwann vor Wochen ist hier ein Auto lang gefahren.
Findet man diese Spur und folgt ihr, ist der Weg durch den Fluss viel einfacher.
Muss man sich den Weg selbst suchen, kommt man nur langsam voran.
An manchen Stellen kann man den Fluss nicht queren, dort ist er zu tief.
An anderen Stellen versperren große und schwere Steine die Weiterfahrt.
Manchmal hat der Fluss tiefe Rinnen in den Sand gegraben, die selbst der Geländewagen nicht queren kann.
Also besser den Spuren folgen...

Marta, die Catequista, die uns begleitet, entdeckt sie dann.
„Allí, Padre, a la izquierda!“
Doch schon kurze Zeit später verlieren sich die Spuren wieder.
Der Wind hat sie verweht, sie sind zu alt.
Der Untergrund wird wieder nasser, wir spüren, wie der Wagen kämpft um voranzukommen.
Nur nicht aufgeben!
Doch dann sitzen wir fest!

Die Hinterräder graben sich ganz schnell im feuchten Sand ein.
Wir steigen aus und überlegen.
Ausgraben oder mit dem Allrad versuchen, den Jeep frei zu bekommen?
Jesús Mary schaltet die Vorderräder auf den Allradbetrieb um.
Der Motor heult auf, doch der Wagen gräbt sich nur noch tiefer ein.
„Jesús Mary, die Schaltung für den Allrad…”
In der Aufregung war nicht der richtige Gang eingelegt worden.
Neuer Versuch: Der Wagen gräbt sich selbst aus dem tiefen Sand!
Wir steigen ein und queren erneut den Fluss.

Es ist schon Wahnsinn, was diese Geländewagen hier leisten.
Mit 4,5 l Hubraum und einer nirgendwo in den Papieren angegebenen Motorleistung in PS oder ähnlichem nehmen sie jede Steigung, jeden Untergrund, auch voll beladen mit 14 Personen und Gepäck
Aber es ist kein Luxus – ohne einen solchen Wagen kommt man hier nur mit dem Esel oder zu Fuß weiter.
84 Comunidades liegen allein im Gebiet von Jesús Mary.
Ohne Wagen würde er sie nicht einmal zweimal im Jahr alle erreichen.
Die Wege sind zu weit.


Und wieder spritzt das Wasser, als wir den Fluss durchqueren.
Wir wissen, wenn wir stecken bleiben, ist hier keiner, der uns helfen kann.
Kein Notruf, kein ADAC, noch nicht einmal ein Handy gibt es hier.
Wir sind auf uns selbst angewiesen.
Doch heute haben wir es gut:
Wir sind zu viert – Jesús Mary, Marta, ihr kleiner Sohn und ich, Martin.
Allein unterwegs kann alles viel schwieriger sein.

Doch wir haben Glück!
Nach einer weiteren Stunde Fahrt sehen wir die Wellblechdächer von Vilapampa in der Sonne glitzern.
Die Kinder laufen uns schon entgegen.
Ein Auto kommt zu ihnen, das ist etwas Besonderes.